52 % der Bewerber abgelehnt wegen unzureichender Arbeitszeugnisse ?!

Bitkom Research hat für die repräsentative Studie "Woran scheitern Einstellungen?" über 300 Unternehmen in Deutschland befragt. Grundsätzlich wurde in der Studie bestätigt, dass ein Großteil aller Unternehmen (65 Prozent) Probleme bei der Besetzung neuer Jobs haben. Das liegt zum Teil an den Bewerbern selbst, wenn sie sich gegen das Angebot entscheiden und zum anderen Teil an den Unternehmen, die keine für sie passenden Kandidaten erhalten. Wieso Bewerber absagen und welche Hauptgründe es für die Nicht-Einstellung von Bewerbern gibt zeigen wir in diesem Artikel auf.

Hauptgründe für die Nicht-Einstellung aus Sicht der Unternehmen

Mit jeweils 97% geben Unternehmen zu hohe Gehaltsvorstellungen und die Nicht-Erfüllung der Kriterien der Stellenanzeige als Hauptgründe für eine Nicht-Einstellung an. Hierbei stellt sich die Frage, ob sich tatsächlich zu viele Bewerber auf Stellenanzeigen bewerben, die offensichtlich nicht zu ihnen passen oder ob die Stellenanzeigen nicht spezifisch genug geschrieben sind, um das gesuchte Jobprofil zu beschreiben. Letzteres erscheint nicht unwahrscheinlich wenn man die aktuelle Studie von Talentworks betrachtet. Hiernach müssen Bewerber im Schnitt nur 50% der angegebenen Kriterien erfüllen, um ein Jobinterview zu erhalten. Daraus lässt sich ableiten, dass die Stellanzeigen oftmals nicht das tatsächlich gesuchte Anforderungsprofil beschreiben.

Weitere interessante Hauptgründe für die Nicht-Einstellung sind, dass man sich im Jobinterview nicht gut verkauft (Soft Skills) und keine gegenseitige Sympathie entsteht (70% bzw. 75%). Die geringe Bereitschaft in Potential anstatt in Berufserfahrung zu investieren wird deutlich wenn man sieht, dass fast 70% eine unzureichende Berufserfahrung nennen. Klar ist, dass in solche Kandidaten anfänglich mehr Zeit investiert werden muss, in Zeiten des Fachkräftemangels sollte sich dies jedoch bereits mittelfristig wieder auszahlen. In die Top-8 der Gründe wieso Bewerber abgelehnt werden schaffen es auch die Arbeitszeugnisse. Mehr als die Hälfte der Bewerber werden aufgrund unzureichender Arbeitszeugnisse abgelehnt. Ein sehr interessanter Fakt, berücksichtigt man den Mythos Arbeitszeugnisse hätten an Wert verloren.

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Weiter zeigt die Studie, das ca. jeder Vierte, der zu einem Jobinterview eingeladen wird am Ende den Job antritt. Dabei sind die Bewerber die nach dem Jobinterview von sich aus absagen nicht enthalten, so dass die Wahrscheinlichkeit vergleichsweise hoch ist, dass ein Vorstellungsgespräch am Ende zu einem Anstellungsverhältnis führt.

Hauptgründe wieso Bewerber noch während des Einstellungsprozesses absagen

In Zeiten geringer Arbeitslosigkeit und des Fachkräftemangels geht es nicht mehr nur darum sich als Bewerber bestmöglich zu verkaufen, sondern auch die Unternehmen müssen für sich werben, um die besten Kandidaten für sich zu gewinnen.

Der mit einigem Abstand häufigste Grund wieso dies nicht gelingt und Bewerber von sich aus absagen, ist mit 95% ein zu langsamer Einstellungsprozess. Das heißt Bewerber haben sich in der Zwischenzeit bereits für eine andere Stelle entschieden. Dies macht gleich mehrere Dinge deutlich. Zum einen bekommen gutausgebildete Kandidaten in kurzer Zeit mehrere Jobangebote. Zum anderen zeigt es jedoch auch, das viele HR-Prozesse noch aus der Zeit stammen, als sich der Bewerber als Bittsteller fühlen mussten und Unternehmen sich über Monate die besten Kandidaten aussuchen konnten.

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Mit Abstand folgt auf den zweiten Platz mit 66% ein unzureichendes Gehalt. Auch wenn mit niedrigerem Wert, so deckt sich dies mit den Gründen für die Nicht-Einstellung aus Unternehmenssicht. Hier scheint also eine großer Unterschied zwischen Bewerbern und Unternehmen zu liegen. Wieviel Geld ist ein neuer Mitarbeiter wert?! Unternehmen empfinden die Vorstellung der Mitarbeiter oft als zu hoch, Bewerber fangen jedoch im wahrsten Sinne des Wortes nicht um jeden Preis bei einem Unternehmen an.

Weitere Gründe, die Bewerber den Unternehmen mitteilen wieso sie abgesagt haben, sind Unzufriedenheit mit den Arbeitszeiten (21%), unpassender Starttermin (12%) und Unzufriedenheit mit dem Arbeitsplatz (9%).

Inwieweit die tatsächlichen Gründen von den Angaben abweichen kann schwer beurteilt werden. Die Studie berücksichtigt die Angaben der Unternehmen, es wurden keine Bewerber befragt. Sicherlich kann es Gründe geben wieso ein Bewerber dem Unternehmen nicht die wahren Gründe nennt.

Fazit

Die Studie zeigt anschaulich, dass sich die Zeiten auf dem Arbeitsmarkt geändert haben. Die Personalabteilung steht den Herausforderungen gegenüber Prozesse zu beschleunigen und Gehälter an die Marktsituation anzupassen. Bewerber sollten noch spezifischer die Kriterien der Stellenanzeigen abgleichen, Wert auf einen authentische und sympathische Kommunikation legen und nach wie vor auf positive Arbeitszeugnisse wertlegen.

52 % der Bewerber abgelehnt wegen unzureichender Arbeitszeugnisse ?!
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