25 JULI 2018 / Arbeitszeugnis

Das Temporaladverb in der Zeugnissprache

Die Zeugnissprache

Die Zeugnissprache setzt sich aus verschiedenen Regeln und Techniken zusammen und kann insbesondere für ungeübte Leser und Ersteller sehr komplex sein. Eine genaue Übersicht über diese allgemeinen Techniken kann hier eingesehen werden. In diesem Beitrag geht es speziell um die Technik der Positivskala und wie durch das gezielte Erkennen und Verwenden von Temporaladverbien gute von durchschnittlichen Sätzen unterschieden werden können.

Allgemein gilt, dass positive Verstärker wie

stets, immer, jederzeit etc.

dafür verwendet werden, um positive Aussagen uneingeschränkt zu bestätigen. Die guten Arbeitsergebnisse werden erst durch den Zusatz der zeitlichen Komponente, bspw. stets, zu der positiven Bewertung (Note 2), die man im normalen Sprachgebrauch erwartet. Diese Verstärker sind also zentraler Bestandteil der Zeugnistechnik "Positivskala". Anhand der nachfolgenden Beispiele wird der Einsatz und die Auswirkung dieser zeitlichen Komponenten, also der Temporaladverbien verdeutlicht:

Er arbeitete zuverlässig und zügig. Note 3

Er arbeitete stets zuverlässig und zügig. Note 2

Wie man sieht wird durch das Hinzufügen eines Temporaladverbs aus einer befriedigenden Note eine gute Bewertung. Allgemein gilt also, dass das Fehlen eines Temporaladverbs ein Hinweis darauf ist, dass der Satz mindestens eine Note schlechter zu bewerten ist, als vom ungeübten Leser anzunehmen. Dies gilt ebenso für Sätze die nach einer sehr guten Beurteilung klingen, aber durch das Fehlen der zeitlichen Komponente eine Abstufung erfahren:

Herr Muster arbeitet sehr zuverlässig und zügig. Note 2

Selbst bei höchster Arbeitsbelastung bewältigte Herr Muster seine Aufgaben termingerecht. Note 2

Bei „höchste Arbeitsbelastung“ handelt es sich um ein Superlativ, wird jedoch erst durch die Ergänzung von stets, immer etc. zu der Note 1:

Selbst bei höchster Arbeitsbelastung bewältigte Herr Muster stets seine Aufgaben termingerecht. Note 1

Es geht also allgemein darum, durch die Verwendung von Temporaladverbien zum Ausdruck zu bringen, dass die Leistung, der Arbeitsstil, das Verhalten etc. zu jeder Zeit die beschriebene Qualität hat. Bei näherer Betrachtung macht dies auch Sinn. Denn jeder möchte Arbeitnehmer oder Kollegen, die konstant eine hohe Arbeitsqualität liefern und die Arbeitsergebnisse nicht an einem Tag sehr gut und am nächsten Tag unterdurchschnittlich sind.

Obwohl es sich hierbei um gerichtlich anerkannte Regeln handelt, finden sich vereinzelt in Datenbanken von Zeugnisgeneratoren und häufig auf diversen Seiten im Internet Textbausteine mit zugewiesenen Noten, die dieser Regel nicht folgen. Vertraut also bitte nicht blind Notenzuweisungen die ihr im Internet findet. Die inkonsequente Verwendung von Regeln und Techniken der Zeugnissprache führt immer wieder zu falschen Beurteilungen und Auswertungen. Verlasst euch nicht auf Kommentare und Textschnipsel die ihr im Internet findet. Geht zum Rechtsanwalt für Arbeitsrecht oder lasst eure Zeugnisse vorab objektiv, schnell und einfach hier analysieren.

Selbstverständlich sind Arbeitszeugnisse immer in ihrer Gesamtheit zu analysieren. Das heißt vereinzelte Sätze sollten nicht überbewertet werden, sondern immer in Verbindung mit anderen Sätzen und dem Gesamteindruck der Zeugnisses beurteilt werden. Ein genauer Blick auf die Verwendung von Temporaladverbien ist dabei jedoch zwingend erforderlich.

Ich hoffe, dies hilft euch dabei die wahre Bedeutung einzelner Sätze besser zu verstehen. Am besten ihr schaut direkt mal nach.

Philip

Philip

Mitgründer von verlingo - Vertieftes Wissen und Interesse in den Themen Zeugnissprache, agiles Projektmanagement und Innovation.

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